Selbstmord oder Freitod

Die Presse übernimmt mehr und mehr die Vorgaben der EXIT Organisation, welche von Freitod spricht. Ziel des Suizidenten ist die Herbeiführung des Todes auf unnatürliche Weise. Im Wort Freitod ist der Akt der Tötung nicht enthalten, weil das Resultat – der Tod – darin enthalten ist, nicht aber der Weg, der zum Tode führte. Dass der Tod darüber hinaus auch frei sei, ist offensichtlich falsch, da der Tod nicht ein Zustand der Freiheit bedeutet – im Gegenteil. Im Tod ist der Mensch nicht frei sondern tot.

Der Erfinder des Begriffs Freitod war Friedrich Nietzsche, er sprach vom Freitod als eine freien Entscheidung sich zu töten. Freiheit wird hier in einem absoluten Sinn verstanden, also komplett losgelöst von der Gesellschaft. Entsprechend erfolgt der Suizid frei von der Gesellschaft, in welcher der oder die Suizidentin mit ihrem Leiden eingebunden ist. Somit bezieht sich das Wort “Frei” nicht auf den Suizidwunsch, sondern auf den Suizid “frei” von der Gesellschaft.

Unter dieser Voraussetzung erscheint der Suizid befreit von der Gesellschaft. Es wird so getan, wie wenn der Suizid frei von der Gesellschaft erfolgt. Damit werden auch die Bedingungen, welche einen Menschen in den Freitod treiben können, eliminiert. Gleichzeitig ist die Gesellschaft von ihrer Verantwortung befreit, herauszufinden, warum jemand den Freitod gewählt hat.

Somit erfolgt der Freitod frei von der Gesellschaft, was er natürlich nie ist. Andererseits haftet dem Begriff “Mord” verwerfliches an. Irrtümlicherweise wird dabei das Verwerfliche beim Suizidenten verortet und nicht bei der Gesellschaft, die den Suizid nicht verhindern wollte oder konnte.

Es erscheint somit gerechtfertigt, den Begriff “Selbstmord” in dem Sinne zu verstehen, dass die Selbst-Tötung von aussen in irgendeiner Form beeinflusst ist. Handelt es sich bei dieser Beeinflussung um verwerfliche Gründe (z.B. Geldmangel), so wird jemand in den Selbstmord getrieben. Handelt es sich bei dieser Beeinflussung nicht um verwerfliche Motive (z.B. Krebs im Endstadium), dann soll von einer Selbsttötung gesprochen werden.

Im Wort Suizid wird nicht zwischen Selbstmord oder Selbsttötung unterschieden, verwerfliche oder nachvollziehbare Gründe sind im Begriff Suizid beide enthalten.

Die Aufgabe der Gesellschaft ist es, Selbstmord zu verhindern. Auch wenn ein Suizident primär plausible Gründe für den Suizid nennt, ist es gesellschaftliche Pflicht, die Beweggründe soweit zu erkunden, dass ein verwerflicher Grund erkannt und dann selbstverständlich auch der Suizid vereitelt wird.

Das Wort Freitod ist der Versuch, die verwerflichen (gesellschaftlichen) Gründe für den Suizid zu verschleiern. Es ist der Versuch, den Suizid als rein persönlichen Akt zu deklarieren und die Verantwortung der Gesellschaft aus diesem Akt zu eliminieren.